Shaman Willee

Shaman Willee
Foto: Regensburger

"Es hat alles miteinander zu tun"

Ein Chiemgauer Künstler möchte mit seinem umfassenden Wirken Freude vermitteln

Von der Definition her wird als "Kunst" jede entwickelte Tätigkeit bezeichnet, die auf Vorstellung und Intuition, Wahrnehmung, Übung und Wissen gegründet ist. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ergeben sich bei Willee Regensburger Zusammenhänge, die auf den ersten Blick vielleicht nicht miteinander in Verbindung stehen, sich jedoch harmonisch ergänzen.

Zur bildenden Kunst hat der 61-Jährige, der mit seiner Frau Barbara in Grabenstätt am Chiemsee lebt, ein inniges Verhältnis. „Ich habe immer gemalt“, blickt er zurück. „Schon als 5-Jähriger“, fügt er schmunzelnd hinzu. Er ist hineingeboren in eine alte bayerische Goldschmiedefamilie. Der Vater Uhrmacher, die Mutter Juwelierin. Schon von Kindesbeinen an erlebt der gebürtige Bad Aiblinger so das Gefühl für das Feine, das Schöpferische. Dies kommt immer wieder in seinen Bildern zum Ausdruck. Mit 23 Jahren beginnt er, dieses Talent hauptberuflich einzusetzen. Seine Bilder haben einen Inhalt, der durch die Erzählung oder die dargestellte Figur definiert ist. „Ich male in frei interpretierbarer Form, aber gegenständlich“, erklärt „WTH“, wie sein Künstlername lautet. „Alle Dinge, die ich darstelle, gibt es wirklich“. Seine ausdrucksvollen Werke zeigte er schon in zahlreichen Ausstellungen sowie bei Ausstellungsbeteiligungen in ganz Deutschland, in vielen europäischen Ländern sowie in Israel, den USA, Korea. Museen besitzen seine Bilder. Unter anderem haben die Bayerischen Staatsgemälde­samm­lungen sowie die Staatliche Graphische Sammlung, München, Werke von ihm erworben. 

Seit über 30 Jahren ist die Malerei sein Erwerbsberuf. Aber würde man Willee Regensburger nur darauf reduzieren, würde man ihm nicht gerecht. Nicht nur in der bildenden, darüber hinaus in der darstellenden Kunst kommt seine Kreativität zum Ausdruck. Der Chiemgauer ist auch Bildhauer und Plastiker in Gips und Holz sowie Aktionist. Seit vielen Jahren gestaltet er Performances im kirchlichen oder öffentlichen Raum, die sich mit Ritualen befassen. Hauptanliegen ist ihm dabei das spontane Zusammenkommen mit dem Publikum.

Shaman Willee beim Trommeln in der Natur (Foto: Regensburger)Shaman Willee beim Trommeln in der Natur (Foto: Regensburger)Eine Performance im Fernen Osten führte ihn hin zu einer weiteren Art von Kunst: Zur Heilkunst des Schamanismus. „Ich bin schon seit vielen Jahren mit Korea verbunden“, erzählt Willee Regensburger. „Einer meiner langjährigen Freunde stammt von dort. „Und ich hatte Kommilitonen aus Korea“, sagt der vielseitig aktive Grabenstätter, der ein Studium zum Gartenbauingenieur sowie Studiengänge in Semitistik, Ethnologie und Volkskunde absolviert hat. „Ich habe einem Schamanenbaum symbolisch neue Wurzeln gemacht“, erinnert er sich. „Die Maulbeere stand in einem heiligen Bereich, war von Beton eingefasst. Ich bin Gartenbauer und Baumliebhaber, so führte ich ein Ritual durch, damit der Baum geheilt wird“, erzählt er. 

In Korea ist der Schamanismus seit alters her tief in der Bevölkerung verankert. Das Wort „Schamane“ stammt ursprünglich aus dem Tungusischen und heißt „Zittern“ oder „Schütteln“. Die Aufgabe des Schamanen ist es in diesem Sinn, festgefahrene Situationen in Bewegung zu bringen, damit sie sich neu ordnen können. Das kann sowohl in der Beziehung sein als auch im Beruf, aber auch im heimischen Bereich, im Befinden, in der Bezahlung, der Wertigkeit.

In seiner Jugend suchte Willee Regensburger nach seiner Bestimmung im Leben. Als Kind wäre er gerne Tierpfleger geworden – es ergab sich anders. Um Menschen zu helfen, machte er eine Ausbildung zum Sanitäter beim Roten Kreuz, lernte im Anschluss Krankenpfleger und erweiterte sein medizinisches Wissen durch eine Heilpraktikerausbildung. Diese erfolgte parallel zu seinem Gartenbaustudium in Weihenstephan. „Ich dachte, es ergänzt sich gut: Gartenbau, Heilkräuter und Heilpraktiker“, erklärt der vielseitig interessierte Grabenstätter. „Es hat am Anfang ausgesehen, als würde nichts zusammenpassen, aber mittlerweile weiß ich, es hat alles miteinander zu tun“.

Als Heilpraktiker nutzt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen heute das Potenzial, welches der Schamanismus birgt. Er wurde in Korea initiiert und folgend entsprechend ausgebildet. „Als erfolgreicher Künstler musste ich plötzlich schamanisch arbeiten“, blickt er zurück. „Ich hatte ein diesbezügliches Initiationsversprechen gegeben. Ich bin dem Ruf gefolgt. Wer ihm nicht folgt, dem tut das nicht gut“, sagt er nachdenklich.

Trotz seiner Verbindung zur spirituellen Welt sieht sich „Shaman Willee“ nicht als Esoteriker. „Ich bin Pragmatiker“, betont er. „Ich habe immer etwas vor. Mein nächstes Buch zum Thema ,Radikale Heilung‘ ist in Arbeit“, erzählt der erfolgreiche Autor, der schon sechs andere Bücher zu unterschiedlichen Themen veröffentlicht hat. „Das Exposeé ist abgeschlossen, der Verlag hat schon zugesagt. Habe das Thema einige Jahre erforscht: Krankheiten kommen auch von selbst und man muss ihnen die Möglichkeit geben, von selbst zu gehen.“

Alles, was Willee Regensburger tut, hat mit Kunst zu tun. Denn es beruht per definitionem auf Vorstellung und Intuition, Wahrnehmung, Übung und Wissen. Dabei lässt er sich von seinem Wahlspruch leiten: „Schau, dass Du Freude bringst“. Die möchte er den Menschen vermitteln. Denn „Mit Freude geht alles viel besser“.                     

Lutz A. Kilian
(erschienen in Ausgabe 28, Juli 2015)

                   

 

 

 

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